Die süße Macht - Kulturgeschichte des Zuckers. Mit einem aktuellen Nachwort des Autors
Verlag | Campus Verlag |
Auflage | 2007 |
Seiten | 305 |
Format | 21,4 cm |
Gewicht | 410 g |
Reihe | Campus Bibliothek |
Übersetzer | Hanne Herkommer |
ISBN-10 | 359338325X |
ISBN-13 | 9783593383255 |
Bestell-Nr | 59338325A |
Die Geschichte des Zuckers ist eine Erfolgsgeschichte. Nach der Entdeckung der karibischen Inselwelt um 1500 wurden dort riesige Zuckerrohrplantagen errichtet. Seit dem 18. Jahrhundert stieg der Zuckerkonsum in Europa stetig an, Zucker wurde zum Grundbestandteil des Speiseplans und ist heute aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Die Kehrseite bilden die Schicksale der Plantagenarbeiter. Wie sich die Welt der Karibik durch den Bedarf der Europäer nach Zucker veränderte und was der Zucker für Europa bedeutete, erzählt Sidney W. Mintz in einer spannenden Mischung aus Global-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte.
Inhaltsverzeichnis:
Persönlicher Dank 9Einleitung 11Essen, Geselligkeit und Zucker 29Produktion 47Konsum 103Macht 183Essen und Leben 221Anmerkungen 251Abbildungen 276Literatur 277Nachwort zur deutschen Neuauflage 2007 288Personenregister 294Sachregister 297
Leseprobe:
Wir brauchen nicht zu betonen, daß die älteren Ernährungsweisen auch eine wichtige symbolische Bedeutung hatten. In dem, was Menschen essen, drückt sich für sie selbst wie auch für die anderen aus, wer und was sie sind. Die Kongruenz zwischen Ernährungsmustern und Gesellschaften zeigt, wie Kulturformen durch die fortgesetzte Aktivität derer, die diese Formen "tragen", die sie mit und in ihrem Verhalten verwirklichen und verkörpern, erhalten werden. Trotz der beachtlichen Fähigkeit der Menschen, sich zu ändern, sowie der Fähigkeit von Gesellschaften, Veränderungen zu verarbeiten, darf man nicht außer acht lassen, welche schwerwiegenden Folgen etwa mit einer Umstellung des mexikanischen Volkes auf Schwarzbrot, des russischen auf Welschkorn oder des chinesischen auf Maniokmehl verbunden wären. Und man muß sehen, daß die radikalen Veränderungen in Kost und Ernährung während der letzten dreihundert Jahre vornehmlich durch eine Revolutionierung der Verarbeitung und des Verzehrs von Lebe nsmitteln sowie durch das Hinzukommen völlig neuer Nahrungsmittel zustande kamen und nicht etwa durch einen simplen Rückgriff auf ältere. In jedem Falle haben Neuerungen in der Ernährung tiefgreifende Veränderungen im Selbstbild der Menschen, in ihren Vorstellungen von den Vor- und Nachteilen von Tradition und Wandel und in der Struktur ihres sozialen Alltags zur Folge.Der Charakter der englischen Ernährung zum Zeitpunkt, da die Engländer den Zucker kennen - zunächst kennen und dann lieben - lernten, ist für unsere Geschichte von einiger Bedeutung. Denn zu der Zeit, da der Zucker erstmals breiteren Kreisen bekannt wurde, hatten die meisten Menschen in England und anderswo genug damit zu tun, ihre Ernährung auf der Basis ausreichender Mengen stärkereicher Lebensmittel (in Gestalt von Weizen oder anderen Körnern) zu sichern, an eine Ausweitung des Konsums war kaum zu denken. Was sich als besonders interessant an dem britischen Bild erweist, ist, wie wenig es sich von den Eßgewohnhei ten und der Art der Ernährung anderswo in der Welt unterschied. Noch vor hundert Jahren dürften es die Kombinationskost, bestehend aus einem einzelnen, je speziellen stärkereichen Grundnahrungsmittel, ergänzt durch verschiedenartige Beilagen, und die ständige Gefahr von Hunger - bisweilen von Hungersnot - gewesen sein, die das Leben von ungefähr 85 Prozent aller Menschen auf der Welt bestimmt haben.