Verlag | Lilienfeld Verlag |
Auflage | 2017 |
Seiten | 160 |
Format | 11,1 x 18,6 x 1,4 cm |
Mit Lesebändchen, HALBLN | |
Gewicht | 194 g |
Reihe | Lilienfeldiana 12 |
ISBN-10 | 3940357235 |
ISBN-13 | 9783940357236 |
Bestell-Nr | 94035723A |
Ein Tag im Leben Berlins, das Lebensgefühl der zwanziger Jahre: Franz Hessel entführt mit seinem Roman in die Welt der Salons, Bars und Pensionszimmer, zu verarmten Adeligen, Künstlern und Neureichen und zeichnet das beeindruckende Porträt einer Stadt in turbulenter Armut.
1924 befindet sich die Gesellschaft Berlins im wirtschaftlichen und sozialen Durcheinander, kein Geld, kein Status, nichts mehr da, nur das Gefühl, etwas Großes und Schönes erreichen zu müssen. Der Freundeskreis des verarmten jungen Mannes Wendelin aus gutem Hause besteht aus Menschen, die sich deshalb einem ironisch gefärbten Bohemeleben hingeben. Eines Tages aber flüchtet nach einer Partynacht Karola, die Frau eines älteren guten Freundes, zu ihm und will mit ihm fliehen ... Bevor es zur Entscheidung kommt, geht es in einem wild-melancholischen Reigen durch das so graue wie schillernde Berlin jener Zeit.Das Nachwort zu dieser Ausgabe von Hessels Roman stammt von dem Berliner Schriftsteller Manfred Flügge.
Leseprobe:
Ich habe keine Zeit, das zu verstehen. Meine Erfahrung ist: Mangel im Alltäglichen, schäbige Kleider, unwürdige Trambahnfahrten, minderwertige Menüs, überhaupt die billigen Qualitäten schädigen meine unsterbliche Seele. Ich will möglichst mühelos von dem heiß servierten Reichtum von heute meinen Tribut haben. Und das will ich auch für Wendelin. In welcher Weise es geschieht, ist ganz gleichgültig, wie es heute gleichgültig ist, womit man handelt. Ein Junge wie Wendelin muß sein Reitpferd haben, ein hübsches pied-à-terre, den besten Schneider. Und das alles so bequem wie möglich.
Rezension:
"Eine Philosophie des Alltags und des Sehens hat Franz Hessel in sein Büchlein verpackt. Und eine Gesellschaftskomödie. Auch ein Porträt der damaligen Gegenwart, die schon wie etwas Vergangenes und Bewahrenswertes erscheint. ... 'Heimliches Berlin' ist eine schöne Wiederentdeckung. ... (und) ein kleines Werk zwischen all den Hochkarätern, die in den 1920er Jahren entstanden sind. Aber dafür in seiner Bescheidenheit umso liebenswerter." (Ulrich Rüdenauer, Deutschlandfunk) "Franz Hessel hat es geschafft, diesen Taumel der Freiheit in einem sehr, sehr schönen und präzisen Deutsch in Bilder, Szenen und Dialoge zu fassen. Es gibt viel zu entdecken in diesem dünnen Buch, viel mehr als die Anatomie einer Dreiecksbeziehung. Man sollte es zweimal lesen. Mindestens." (Katharina Döbler, Deutschlandradio Kultur) "Kleiner Roman ganz groß: Franz Hessels 'Heimliches Berlin' von 1927 gehört zu den seltenen Büchern, über die noch niemand ein schlechtes Wort verloren hat. Auch mit der liebevoll g estalteten Neuausgabe, die im Lilienfeld Verlag erschienen ist, wird sich daran wohl nichts ändern. ... Unter den schönen Büchern, die Franz Hessel geschrieben hat, ist 'Heimliches Berlin' wahrscheinlich das schönste. Ein Meisterwerk, still, poetisch, Berlin ohne allzu große Schnauze, irgendwie zum Verlieben - ein Buch, über das wohl auch in Zukunft niemand ein schlechtes Wort verlieren wird!" (Daniel Möglich, Bücher-Wiki)